Abhängigkeitserkrankungen, Sucht
Inhalt
Was ist eine Sucht?
Was ist eine Abhängigkeit von Substanzen?
Symptome
Mögliche Formen der Störung
Wie entsteht diese Störung?
Wie wird diese Störung behandelt?
Fakten
Literatur-Hinweise
Was ist eine Sucht?
Süchtig, respektive abhängig kann eine Person von Substanzen (Drogen) wie Nikotin, Alkohol, Medikamenten (z.B. Temesta, Seresta, Xanax, Valium etc.), sowie Opiaten (Heroin, Morphium, Methadon), Kokain, GHB/GBL, Cannabis und Amphetaminen werden.
Substanzen wie Ecstasy, LSD, Psilocybin entwickeln nach regelmässiger, täglicher Einnahme eine Habituation, d.h. die Substanz wirkt nicht mehr. Es muss erst eine Konsumpause eingelegt werden, bis die Einnahme der Substanz wieder eine Auswirkung hat.
Es können auch Abhängigkeiten/Sucht (z.B. Spielsucht, Kaufsucht) entstehen, welche nicht an Substanzeinnahmen gebunden sind.
Fragen und verschiedene Aspekte, ob Sie selbst, Ihr Kind oder Angehörige betroffen sein könnten, finden Sie unter
www.sucht-info.ch (Sucht Info Schweiz): "Es ist schwierig festzustellen, ob jemand tatsächlich ein Drogen- oder Alkoholproblem hat. Manchmal ist es auch schwierig zu wissen, wo man mit seinem eigenen Konsum steht, wo die Grenze zwischen genussorientiertem Freizeitkonsum und problematischem oder gar abhängigem Konsum liegt. Aber es lohnt sich ganz bestimmt, sich (zum eigenen Konsum oder zu dem von Nahestehenden) die entsprechenden Fragen zu stellen." (aus der Webpage sfa-ispa)
Was ist eine Abhängigkeit von Substanzen?
Eine Abhängigkeit von Substanzen ist, wenn
- sich der Körper an die Einnahme der Substanz gewöhnt hat und mit Entzugssymptomen reagiert, wenn er keine oder zuwenig davon hat. Ebenfalls entwickelt sich meist eine Toleranz, d.h. dass der Körper Schritt um Schritt eine immer höhere Dosis der Substanz braucht, um keine Entzugssymptome und eine Substanzwirkung zu haben.
- die Psyche sich an die Auswirkungen/Effekte der Substanz gewöhnt, resp. die Person sich nüchtern(er) schlecht fühlt (depressiv, unsicher, nervös, aggressiv, angespannt, energielos, gehemmt etc.). Oft können leichtere körperlich-psychische Entzugserscheinungen dazukommen. Durch die Gewöhnung an eine permanente Substanzeinnahme kann sich die Einnahmedosis allmählich steigern, um weiterhin den gewünschten Effekt der Substanzwirkung zu haben.
Bei einer Abhängigkeit besteht ein Zusammenwirken von psychischen und körperlichen Effekten.
Symptome
Eine Sucht/Abhängigkeit besteht dann, wenn die betreffende Person ohne die Einnahme der Substanz/Droge massives Unwohlsein, teils Schmerzen etc. und einen Drang verspürt, unbedingt die Substanz/Droge zu konsumieren.
- Körperliche Abhängigkeit: wenn, durch Absetzen der Einnahme körperliche Entzugssymptome (Schmerzen, Schwitzen, Frieren, Tremor, Muskelkrämpfe, Erbrechen, Schwindel, Kreislaufkollaps, Delirium etc.) auftreten.
- Psychische Abhängigkeit: wenn durch Absetzen der Einnahme psychische Symptome (starkes Verlangen, Nervosität, depressive Einbrüche, Suizidalität, Angst, Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Aggressionen etc..) auftreten.
Zu den körperlichen kommen die psychischen Entzugssymptome hinzu.
Mögliche Formen der Störung
Eine Abhängigkeit von Substanzen äussert sich dadurch, dass die Person sich zu regelmässigem Konsum gezwungen fühlt. Dass heisst, dass die Person zentral besorgt ist, dass sie die Substanz zur Verfügung hat, wenn sie sie braucht (Lager anlegen, Beschaffung in Geschäften, über Arzt, oder über illegalen Markt). Und dass die Person zumindest wenn Entzugserscheinungen auftreten, den Drang hat die Substanz einzunehmen.
Eine Abhängigkeit kann zu Arbeitsplatzverlust, körperlichen Erkrankungen, finanziellen Problemen, Verschuldung und Verlust von Partner, Freunden etc. führen.
Wie entsteht diese Störung?
Seit jeher konsumiert der Mensch Genussmittel (Alkohol, Rauchwaren, Pflanzen mit psychischen Auswirkungen). In der Medizin hat der Mensch auch pflanzliche Substanzen zur Verfügung, um Leiden zu vermindern (z.B. Opium zur Schmerzbekämpfung, Beruhigung).
Wenn nun eine Person Genussmittel vermehrt und ausserhalb von geregelten Anlässen konsumiert und sich dazu ein Kreislauf zu etablieren beginnt, dass langsam auftretende Entzugserscheinungen mit erneutem Substanzkonsum aufgefangen werden, entsteht eine Abhängigkeit. Ebenfalls kann aufgrund von persönlichem Unwohlsein ein Druck zu einer Substanzeinnahme entstehen (sich lockerer, entspannter, energievoller, selbstbewusster etc. fühlen), der zu einer immer grösseren und öfteren Einnahme und somit zu einer Abhängigkeit führen kann.
Wie wird diese Störung behandelt?
Es ist zu bemerken, dass oft eine längere Zeit einer Abhängigkeit besteht, bis sich die Person aufgrund immer stärkeren Problemen (gesundheitlich, finanziell oder im privaten Umfeld) in eine Behandlung begibt.
Es muss am Anfang einer Behandlung abgeklärt werden, was die abhängige Person möchte und ob eine ambulante oder eine stationäre Behandlung angezeigt ist. Je nach Situation und Abhängigkeit ist eine Entzugsbehandlung nicht ohne ärztliche Behandlung (z.B. bei Alkohol, GBH/GBL, Medikamenten) oder für eine gewisse Zeit eine konsequente Abschirmung (z.B. Kokain, Opiate, zusätzliche Depressionen etc.) durchführbar.
- ambulant: Beratungsstellen, psychiatrisch-psychotherapeutische Institutionen oder auch Hausärzte.
Bei einer Opiatabhängigkeit wird auch abgeklärt, inwiefern eine Substitution mit Methadon oder Subutex Sinn macht. Dadurch kann z.B. eine Distanzierung zu illegalem Heroinkonsum sowie eine Stabilisierung in sozialen Bereichen erreicht werden (u.a. Wohnung, Arbeit etc.).
Die Substanzabhängigkeit kann schrittweise abgebaut werden (ambulanter Entzug) und therapeutisch (auch medikamentös) unterstützt werden (Kokain, Cannabis, je nachdem Alkohol, GHB/GBL).
Meist werden individuelle Einzeltherapien angeboten.
Eine ambulante Therapie ist auch nach einer stationären Entzugs- und/oder Therapie sinnvoll, um abstinent bleiben zu können. - stationär: Die stationäre Entzugsbehandlung findet in meist psychiatrischen Kliniken statt, ab und zu ist ein Spitalaufenthalt notwendig. Ein stationärer Klinikaufenthalt ist auch bei zusätzlichen Problemen, z.B. soziale Isolation oder zusätzlichen psychiatrischen Erkrankungen zu empfehlen.
Nach dem Entzug kann eine stationäre, abstinenzorientierte Therapie absolviert werden.
Fakten
Zahlen und Fakten zu Konsum und Abhängigkeit von Alkohol, illegalen Drogen und Medikamenten in der Schweiz finden Sie unter
www.sucht-info.ch (Infos und Fakten) Sucht Info Schweiz.
Literatur-Hinweise
- Lindenmeyer, J. (2005): Lieber schlau als blau. Weinheim: Psychologie Verlags Union.
- Lindberg, L. (2003): Wenn ohne Joint nichts läuft. Düsseldorf: Walter-Verlag.
Internet-Links
Beratungs- und Behandlungsadressen je nach Stadt und Kanton:
- Alkoholberatungsstellen
- Drogen- Suchtberatungsstellen
- Psychiatrische Ambulatorien, Polikliniken
www.sucht-info.ch Sucht Info Schweiz
www.bag.admin.ch Schweiz. Bundesamt für Gesundheit
Link zur Adresse der Autorin
Dr.phil. C. Fischer Hassan
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen
Selnaustrasse 9
8002 Zürich
Tel. 044/205 58 00
carolafi@bluewin.ch
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Die letzte Aktualisierung dieses Dokuments erfolgte am 26. Juli 2010
