Partnerschaftsstörungen
Inhalt
Was ist eine Partnerschaftsstörung?
Symptome einer Partnerschaftsstörung
Mögliche Formen von Partnerschaftsstörungen
Entstehung von Partnerschaftsstörungen
Behandlung von Partnerschaftsstörungen
Fakts
Literaturhinweise
Was ist eine Partnerschaftsstörung?
Eine Partnerschaftsstörung liegt dann vor, wenn einer oder beide Partner die Partnerschaft als längerfristig unbefriedigend erleben und unter diesem Zustand leiden. Dies äussert sich meist (a) in einer Partnerschaftskrise, die bis hin zu Trennungsgedanken oder einer Scheidung gehen kann, (b) einem gesteigerten Interesse an einem neuen Partner (z.B. Eingehen einer Aussenbeziehung), (c) in psychischem Leiden infolge der Beziehungsstörung (z.B. Depression) oder (d) in psychosomatischen Beschwerden (z.B. chronische Rückenschmerzen, Schlafstörungen etc.). Während eine Partnerschaftsstörung auch von Experten diagnostiziert werden kann (z.B. aufgrund von Interaktionsanalysen) interessiert in der Regel vor allem das subjektive Erleben der Partner.
Symptome einer Partnerschaftsstörung
- Häufige und lang andauernde Konflikte ohne konstruktive Lösung
- Destruktive Austragung der Konflikte mit eskalativem Verlauf
- Geringes Verstärkungsverhalten gegenüber dem Partner (wenig Positivität)
- Vorkommen besonders destruktiver Kommunikationsformen wie verallgemeinernde Kritik („Du bist nie…“), verächtlichen Bemerkungen („Was Du nicht sagst, auf einmal interessierst Du Dich dafür, wie es mir geht…“), Provokationen („Heisst das, dass ich Dir jede Minute rapportieren muss, wo und mit wem ich zusammen bin?) und Rückzug von der Kommunikation.
- Negatives Verhalten des Partners wird aufgrund seiner Häufigkeit bereits zum vornherein erwartet
- Häufig gegenseitige negative Zwangsausübung (den Partner dazu zwingen, die Bedürfnisse des anderen zu befriedigen)
- Zu geringe Rate an Positivität (Loben, Komplimente, Zuneigung, Zärtlichkeit) im Vergleich zur Negativität
Mögliche Formen von Partnerschaftsstörungen
Es kann zwischen akuten Partnerschaftsstörungen (z.B. infolge einer Lebensveränderung wie der Geburt eines Kindes, dem Bekanntwerden von Untreue eines Partners) und chronischen Partnerschaftsstörungen (zunehmende Unzufriedenheit infolge von Entfremdung, Monotonie und dem Auseinanderleben der Partner) unterschieden werden. Partnerschaftsstörungen können sich in hitzigen (emotionsgeladenen) Konflikten (bis hin zur Gewaltanwendung) äußern, schwelend verlaufen (emotionale Distanzierung der Partner, Vermeidung von Kontakten, Rückzug) oder gänzlich unter den Teppich gekehrt werden, d.h. gegen außen wird der Schein gewahrt, dass alles in Ordnung sei. Schwere Partnerschaftsstörungen können, müssen aber nicht zu einer Trennung oder Scheidung führen, da auch viele unbefriedigende Partnerschaften aus mannigfachen Gründen aufrechterhalten werden (z.B. religiöse Gründe, finanzielle Abhängigkeit, sozialer Druck von außen, Angst, keinen neuen Partner mehr zu finden, etc.).
Entstehung von Partnerschaftsstörungen
Partnerschaftsstörungen entstehen in aller Regel im Wechselspiel zwischen den beiden Partnern und sind damit paarspezifisch. Es können mehrere Entstehungsbedingungen unterschieden werden, wie beispielsweise: (a) Auseinanderleben aufgrund von mangelnder oder schlechtem Zusammenpassen der beiden Partner, (b) Ernüchterung durch das Erkennen von problematischen Persönlichkeitseigenschaften des Partners, die sich im Alltag immer stärker zu zeigen beginnen, (c) zunehmende Unzufriedenheit aufgrund von mangelnden Kompetenzen eines oder beider Partner (z.B. bezüglich Kommunikation), die sich zunehmend als störend im Alltag erweisen, (d) emotionale Entfremdung durch Vernachlässigung der Beziehungspflege, was häufig infolge von Stress zu beobachten ist, (e) Einschleichen von Monotonie und Langeweile durch zu routinierten Partnerschaftsalltag sowie (f) Abzug von positiven Gefühlen gegenüber Partner infolge einer neuen Bekanntschaft, welche als attraktiver als der aktuelle Partner gesehen wird.
Behandlung von Partnerschaftsstörungen
Partnerschaftsstörungen sollte bereits im Vorfeld durch Partnerschaftspflege vorgebeugt werden. Beide Partner sollten sich um ihre Beziehung kümmern, ihr einen wichtigen Stellenwert im Leben einräumen, sich Zeit für sie nehmen und dem Partner Zuneigung und Liebe im Alltag zeigen. Das Pflegen der Liebe ist ein aktiver Prozess. Partnerschaftspflege kann durch gemeinsame Aktivitäten, Paarwochenenden, gemeinsame Lektüre von Ratgebern oder Präventionskurse für Paare erfolgen. In der Schweiz wird das so genannte Freiburger Stresspräventionstraining für Paare (FSPT) von Prof. Guy Bodenmann (Universität Fribourg) angeboten. Es handelt sich dabei um einen Wochenendkurs, an dem Paare wichtige Kompetenzen lernen, um ihre Beziehung positiv und harmonisch gestalten zu können (Kommunikationskompetenzen, Problemlösekompetenzen, Stressbewältigungskompetenzen).
Wichtig ist, dass Paare Anzeichen von Unzufriedenheit und Krisen rechtzeitig erkennen und sich darum bemühen, diese gemeinsam anzugehen. Hierzu eignet sich Eheberatung oder Paartherapie.
In der Paartherapie erfolgt insbesondere eine Aktivierung der Ressourcen beider Partner und des Paares durch eine Erhöhung von positivem Verhalten im Alltag (Aufbau oder Reaktivierung von aufmerksamem, verstärkendem, zärtlichem Verhalten), eine Verbesserung der Kommunikation und Problemlösung, eine Stärkung der Stressbewältigungsfertigkeiten sowie eine Förderung der wechselseitigen Akzeptanz. Je nach Problemen werden auch Methoden zur Verbesserung der Sexualität und allgemein der „Revitalisierung“ der Beziehung eingesetzt. In der Verhaltenstherapie mit Paaren wird viel mit konkret angeleiteten und vom Therapeuten begleiteten Übungen in der Therapiesitzung sowie mit „Hausaufgaben“ (z.B. Paarübungen zuhause)gearbeitet.
Fakts
Partnerschaftsstörungen sind sehr häufig, was sich zum einen in der Schweiz in den hohen Scheidungsraten von aktuell 45.5%, zum anderen in der Tatsache widerspiegelt, dass zwischen 25% und 40% der Paare ihre Beziehung als unzufriedenstellend bezeichnen. Rund 80% geben zudem an, dass ihre Partnerschaft die in sie gestellten Erwartungen nicht erfüllt.
Literaturhinweise
- Bodenmann, G. (2006). Stress und Partnerschaft. Gemeinsam den Alltag bewältigen. (4. Auflage). Bern: Huber.
- Bodenmann, G. (2005). Beziehungskrisen: Erkennen, verstehen, bewältigen. (2. Auflage). Bern: Huber.
- Gottman, J. M. (1999). Die sieben Geheimnisse der glücklichen Ehe. München: Marion von Schröder.
- Lang, J. (2005). Wertschätzen und Abwerten - Vitamin und Virus einer Paarbeziehung. (2. Auflage). Berlin: Uni-Edition.
- Schindler, L., Hahlweg, K. & Revenstorf, D. (1999). Partnerschaftsprobleme: Möglichkeiten zur Bewältigung. Ein Handbuch für Paare. (2. Auflage). Berlin: Springer.
Internet-Links
www.unifr.ch/iff
www.paarberatung.ch/
www.theratalk.de/
Adresse des Autors
Prof. Dr. Guy Bodenmann
Universität Zürich
Klinische Psychologie für Kinder und Jugendliche
Binzmühlestr. 14
8050 Zürich
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Die letzte Aktualisierung dieses Dokuments erfolgte am 29. September 2008
