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Samstag, 31. Juli 2010

Probleme im Alter

Inhalt

Psychische Probleme im Alter
Demenz
Depression im Alter
Neurotische Störungen im Alter
Weiterführende Literatur

Psychische Probleme im Alter

Die biologische und psychologische Entwicklung des Lebens vollzieht sich kontinuierlich und in Phasen. In jeder Phase sind besondere Herausforderungen zu bewältigen: In der Kindheit und Jugend, im mittleren Erwachsenenalter und im höheren Alter. Veränderungen in den Beziehungen zu anderen Menschen, im Verhältnis zur eigenen Person und zum eigenen Körper sind zu bewältigen. Psychische Probleme im Alter stehen oft in Zusammenhang mit Verlusterlebnissen: Dem Tod des Partners, dem Verlust des Kontaktes zu den Kindern, dem Verlust körperlicher Gesundheit und Beweglichkeit  und schließlich dem Verlust der Aussicht, dieses oder jenes im eigenen Leben noch verwirklichen zu können. Die häufigsten psychischen Probleme im Alter sind Depressionen, Angsterkrankungen und Demenzen. Nicht immer tritt ein psychisches Problem im Alter erstmals auf, sondern oft wird ein Mensch mit einem psychischen Problem alt.

Demenz

Symptome der Demenz

Die Hirnleistung läßt im höheren Lebensalter nicht zwangsläufig nach. Die Demenz ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Alle Demenzen gehen mit einem Verlust der Merkfähigkeit und des Gedächtnisses einher. Immer sind auch andere Gehirnleistungen mehr oder weniger betroffen. Wenn ausschließlich das Gedächtnis oder die Merkfähigkeit beeinträchtigt ist, spricht man von einem ?kognitiven Defizit?, das nicht immer voranschreiten muß. Die Symptome der Demenz schreiten allerdings mit der Zeit voran und beeinträchtigen die Selbständigkeit im Alttag immer mehr.

Formen der Demenz

Man kann mehrere Formen der Demenz unterscheiden. Zwei Demenzformen sind besonders häufig: Die Alzheimer-Demenz und die vaskuläre Demenz. Mischformen zwischen Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz sind häufig. Daneben kommt noch eine sehr große Zahl anderer Demenzformen vor, die zum Teil sehr selten sind und wovon nur wenige heilbar sind. 

Wie entsteht die Demenz?

Die Alzheimer-Demenz entsteht durch den Untergang von Nervenzellen im Gehirn. Erbfaktoren können dabei eine Rolle spielen. Der Mechanismus der Zellschädigung ist bekannt, die genauen Ursachen dafür aber nicht. Die vaskuläre Demenz entsteht durch die Erkrankung von Blutgefäßen, die das Gehirn versorgen. Der wichtigste Risikofaktor für eine vaskuläre Demenz ist der Bluthochdruck.

Wie wird die Demenz behandelt?

Eine medizinische Abklärung und Behandlung ist notwendig. Nur bei wenigen seltenen Demenzen, zum Beispiel solchen, die durch einen Vitaminmangel ausgelöst wurden, ist eine ursächliche Behandlung möglich. Bei den anderen Demenzen kann der Verlauf durch Medikamente verzögert werden. Auch Psychotherapie beeinflußt den Krankheitsverlauf günstig. Die Psychotherapie umfaßt ein Hirnleistungstraining mit Verbesserung der Anpassung an die Defizite und der Verbesserung der Kompetenz bei alltäglichen Verrichtungen. Teil der Psychotherapie, besonders am Anfang der Erkrankung, ist auch die Krankheitsbewältigung und die Bewältigung von Trauer, Ängsten und Depressionen. Wichtig ist auch die Beratung und das Training der Angehörigen, damit diese lernen, besser mit dem Demenzkranken und den eigenen, oft unterschätzten Belastungen umzugehen.

Depression im Alter

Symptome der Depression im Alter

Im höheren Lebensalter wird eine Depression oft übersehen. Das liegt an dem Vorurteil, eine gewisse Niedergeschlagenheit gehöre zum Alter. Symptome wie vermehrte Niedergeschlagenheit oder Antriebsmangel sind auch im Alter sehr oft ein Zeichen für eine Depression. Depressionen im Alter werden auch übersehen, weil oft gar keine seelischen Beschwerden vorhanden sind, sondern sich die Depression allein durch körperliche Symptome bemerkbar macht, wie Kopfschmerzen, Schmerzen ohne klar faßbare körperliche Ursache, Probleme mit dem Schlaf, der Verdauung und dem Appetit oder mit rascher Erschöpfbarkeit.

Formen der Depression im Alter

Grundsätzlich kommen im Alter die gleichen Formen der Depression vor, wie in jüngeren Jahren. Man unterscheidet Depressionen nach ihrem Schweregrad. Und danach, ob es sich um eine einmalige Erkrankung oder um eine rezidivierende depressive Störung handelt. Bei letzter  kommen im Verlauf des Lebens mehrmals depressive Phasen vor.  Eine Besonderheit im Alter ist, daß andere Hirnerkrankungen, wie zum Beispiel eine Demenzerkrankung oder eine Parkinson-Krankheit, mit einer Depression einhergehen können (organische Depression).

Wie entsteht eine Depression im Alter?

Wenn man von den organisch ausgelösten Depressionen absieht, dann sind die Ursachen der Depression im höheren Lebensalter eigentlich die gleichen wie in jüngeren Jahren. Oft spielen die Verluste, die das Alter mit sich bringt eine Rolle. Zum Beispiel Einsamkeit und eine Behinderung der Mobilität, der Beweglichkeit und des Hör- und Sehvermögens.

Wie behandelt man die Depression im Alter?

Grundsätzlich ist die Behandlung nicht anders als in jüngeren Jahren und genauso gut wirksam. Eine medikamentöse Behandlung mit einem Antidepressivum ist bei einer schweren Depression immer notwendig. Heute werden  moderne Antidepressiva eingesetzt, die auch im Alter gut verträglich sind. Zur Behandlung der Depression und zur Vorbeugung einer Wiedererkrankung ist eine Psychotherapie notwendig. Es gibt spezielle Verhaltenstherapieprogramme für ältere Menschen mit Depression. Dabei geht es unter anderem um die Vermeidung von ungünstigen Überlastungen, um den Aufbau angenehmer Aktivitäten und um die Verbesserung persönlicher Beziehungen. Meistens sind 25 bis 35 Sitzungen in wöchentlichen Abständen sinnvoll.

Neurotische Störungen im Alter

Was versteht man unter neurotischen Störungen im Alter?

Neurotische Störungen sind psychische Erkrankungen, die eine psychologische Ursache haben und psychotherapeutisch behandelt werden. Im Alter können die gleichen neurotischen Störungen auftreten wie in jüngeren Jahren.

Symptome einer neurotischen Störung im Alter

Angsterkrankungen, Zwangserkrankungen, Anpassungsstörungen, psychosomatische Beschwerden und somatoforme Störungen gehen im Alter mit den gleichen Symptomen einher wie in jüngeren Jahren. Oft ist es aber so, daß psychische Symptome, zum Beispiel vermehrte Sorgen, fälschlich als normale Folge des Alterns angesehen werden und nicht ernst genommen werden.

Formen einer neurotischen Störung im Alter

Sehr häufig und oft nicht diagnostiziert sind Angsterkrankungen im Alter. Agoraphobien und generalisierte Angststörungen überwiegen. Auch Pesönlichkeitsstörungen, die das zwischenmenschliche Zusammenleben erschweren, machen sich im Alter oft bemerkbar.

Wie entsteht eine neurotische Störung im Alter?

Neurotische Störungen können durch seelische Konflikte ausgelöst werden. Bei Beginn des Rentenalters können Konflikte zum Beispiel dadurch entstehen, daß ein Ehepaar mehr Zeit miteinander verbringt und der Alltag sich verändert. Unsere Kultur pflegt die Illusion des ständigen Fortgangs und die Illusion der ?unbegrenzten Möglichkeiten?. Im höheren Lebensalter lassen sich diese Illusionen irgendwann nicht mehr aufrecht erhalten. Die dabei entstehenden Krisen und Konflikte sind manchmal der Ursprung neurotischer Störungen, gerade bei Menschen deren Selbstwert stark von Anerkennung für Erfolg abhängig war.

Wie werden neurotische Störungen im Alter behandelt?

Die Behandlung erfolgt vor allem mit Psychotherapie. Im Alter bis etwa 75 Jahren spielen körperliche und geistige Einschränkungen seltener eine Rolle. In dieser Altersgruppe der ?jüngeren Alten? ist die Vorgehensweise in der Psychotherapie nicht viel anders als bei Erwachsenen mittleren Alters. Oft geht es in der Psychotherapie bei älteren Menschen unter 75 Jahren um die Verarbeitung von kränkenden Veränderungen und Selbstwertkonflikten. In einigen Fällen ist eine unterstützende medikamentöse Behandlung sinnvoll. Für die Behandlung von Angsterkrankungen ist die Verhaltenstherapie ganz besonders gut geeignet. Bei der Psychotherapie mit Menschen über 75 Jahren muß sorgfältig auf die individuellen Ressourcen eingegangen werden und es wird versucht, körperliche und geistige  Defizite zu kompensieren. Anders als noch vor einigen Jahren, weiß man heute, daß Psychotherapie bei älteren Menschen genauso wirksam ist wie bei Jüngeren. In der Verhaltenstherapie wurden in den letzten Jahren speziell auf das höhere Lebensalter ausgerichtete Vorgehensweisen entwickelt.

Weiterführende Literatur

H. Buijssen: Demenz und Alzheimer verstehen (2003)
M. Hautzinger: Wenn Ältere schwermütig werden. Hilfe für Betroffene und Angehörige bei Depression im Alter (2006)
Ch. Kretschmar, R. D. Hirsch, G. Stoppe (Hrsg.), C. Wächer (Hrsg.): Angst - Sucht - Anpassungsstörungen im Alter (2001)
M. Pipher: Das Land des Alters (2000)
W. Schmidbauer: Altern ohne Angst. Ein psychologischer Ratgeber (2003)

Links

www.depression.ch
www.alz.ch

Autor

Dr. med. Michael Mayer
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Facharzt für Neurologie
Supervisor und Selbsterfahrungsleiter für Verhaltenstherapie

Praxis
Rorschacherstr. 150
9006 St. Gallen
Tel. + Fax 071 220  90 67
Email: michael.mayer@hin.ch
www.doktor.ch/michael.mayer

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Die letzte Aktualisierung dieses Dokuments erfolgte am  1. März 2010