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Samstag, 31. Juli 2010

Schizophrenie/Psychosen

Inhalt

Was ist eine Schizophrenie?
Symptome (Krankheitszeichen) der Erkrankung
Formen der Störung und Untergruppen Wie entsteht diese Störung?
Wie wird diese Störung behandelt?
Fakten zur Erkrankung
Was kann ich als Angehöriger machen?
Internet-Links
Literatur

Was ist eine Schizophrenie?

Schizophrene Psychosen gehören zu den schwersten psychiatrischen Erkrankungen. Beschreibungen schizophrener Störungen sind seit dem Altertum unter zahlreichen Begriffen bekannt ("Wahnsinn, Besessenheit", etc.). Der Deutsche Psychiater Emil Kraepelin führte 1896 als gemeinsame Bezeichnung vielgestaltiger Krankheitsbilder den Begriff "Dementia praecox" ein, von der er das "manisch-depressive Irresein" abgrenzte. Er wird damit zu den Vätern eines modernen Schizophreniekonzeptes gezählt. Auf Grund seiner klinischen Beobachtungen kam dann der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler zu dem Schluss, dass nicht alle Verlaufsformen der Erkrankung und ihr psychopathologisches Bild in ihrem Querschnitt durch die Beschreibung der Dementia praecox erfasst werden. Nachdem ihm ?die elementarsten Störungen in einer mangelhaften Einheit, in einer Zersplitterung und Aufspaltung des Denkens, Fühlens und Wollens und des subjektiven Gefühls der Persönlichkeit? zu liegen schienen, schlug er 1911 vor, diese Störungen als "Gruppe der Schizophrenien" zu bezeichnen.

Eine "Psychose" ist ein meist vorübergehender Zustand, in dem der Betroffene sozusagen den Kontakt zur Wirklichkeit verliert. Wahnvorstellungen und Halluzinationen sind typische Anzeichen einer solchen seelischen Störung, d.h. der Betroffene fühlt sich z.B. verfolgt, hat das Gefühl, andere würden über ihn reden, fühlt sich von seiner Umgebung bedroht oder sieht bzw. hört Dinge, die objektiv nicht vorhanden sind. Wenn der Zustand sehr ausgeprägt auftritt und dazu führt, dass der Betroffene aus seinem Lebensrhythmus völlig herausgerissen wird, sprechen wir von einer "akuten Psychose", die unter der richtigen Behandlung aber meist rasch wieder abklingt.

Psychosen oder Anzeichen einer Psychose können bei vielen verschiedenen Erkrankungen vorkommen, etwa auch dann, wenn man in schwere depressive Verstimmungen oder manisch genannte Zustände mit krankhaft überhöhtem Selbstwertgefühl und ziellos gesteigerter Aktivität hineingerät. Auch manche Hirnerkrankungen wie Tumore, Entzündungen oder Abbauprozesse können Psychosen hervorrufen und genauso auch die meisten der heute konsumierten Drogen. Selbst im Zusammenhang mit Alkoholkonsum kann es gelegentlich zum Auftreten einer Psychose kommen. Man spricht dann von organisch bedingten oer drogeninduzierten Psychosen.

Psychosen kommen in unterschiedlichen Schweregraden vor. Auch der zeitliche Verlauf kann sehr unterschiedlich sein: kurzfristiges Abklingen ohne ungünstige Folgen und chronische Krankheitsverläufe kommen gleichermassen vor. Die Erkrankung "Schizophrenie" stellt dabei eine Psychose mit stark ausgeprägtem Schweregrad dar. Jeder kann an einer schizophrenen Psychose erkranken. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, so verbessern sich die Chancen einer wirksamen Behandlung. Häufig sind Jugendliche und junge Erwachsene betroffen.

Die typischen Krankheitszeichen der Schizophrenie treten meist nur in vorübergehenden Episoden auf und werden heute häufig auch als Positivsymptome benannt. Man hört plötzlich nicht vorhandene fremde Stimmen, die mit oder über einen sprechen, erlebt die eigenen Gedanken oder Handlungen als von aussen gesteuert oder gemacht und fasst Vorgänge in der Umgebung so auf, als würde sich etwas Bedrohliches für die eigene Person dahinter verbergen. Wer in eine solche Psychose hineingerät, ist von der Realität seiner Erlebnisse überzeugt, d.h. der Betroffene erlebt seine "psychotische" Wirklichkeit so wie wir "unsere" Wirklichkeit erleben. Dies kann zu erheblichen Schwierigkeiten in der Kommunikation führen und weitere Krankheitszeichen wie Angst und soziale Isolation mit bedingen. Die Positivsymptomatik lässt sich heute gut behandeln.

Therapeutische Probleme entstehen meist erst, wenn es im Verlauf allmählich zu einer dauerhaften Verarmung von Denken und Fühlen mit Antriebslosigkeit, Interesselosigkeit und sozialem Rückzug kommt. Diese sogenannte Negativsymptomatik kann zwischenmenschliche Beziehungen schwer belasten, Ausbildung oder Berufsleben behindern und bereits in der Frühphase der Erkrankung zum sozialen Abstieg führen. Negativsymptome oder auch andere Frühsymptome wie Störungen im Denken und in der Konzentrationsfähigkeit, die auf den ersten Blick noch ganz unspezifisch wirken und gar nicht an eine drohende Psychose denken lassen, sind oftmals bereits Jahre vor dem ersten Auftreten von Positivsymptomen erkennbar. In der Regel dauert es noch einmal ein gutes Jahr bis nach dem ersten Auftreten von Positivsymptomen die richtige Behandlung einsetzt.

Die folgende Schilderung eines Betroffenen beschreibt einen typischen Erkrankungsverlauf:
(Das Beispiel gibt einen typischen, aber idealisierten Fall wieder, es wird dabei auf keine reale Person Bezug genommen.)
Seit einem Jahr zieht sich Markus, Student, 23 Jahre, immer mehr von seinen Mitmenschen zurück. Er verlässt seine Wohnung kaum noch, und wenn er auf die Strasse geht, hat er das Gefühl, dass die Menschen ihn auf eine sonderbare Art anschauen. Auch in der Bahn oder im Supermarkt fühlt er sich beobachtet und wird das Gefühl nicht los, dass andere über ihn sprechen. Überhaupt bezieht er viele Dinge auf sich, scheinbar zufällige Ereignisse haben eine persönliche Bedeutung für ihn.

In den Vorlesungen kann sich Markus nur mit grosser Mühe konzentrieren. Oftmals hat er ein regelrechtes Durcheinander im Kopf. Es fällt ihm sehr schwer, einem einzigen Gedanken zu folgen. Und dann ist da noch das Gefühl, der Professor könnte seine Gedanken lesen. Rückblickend, erzählt Markus, fing alles schon ganz früh an:

"Mit 15 oder 16 hatte ich schon mal eine Zeit, in der ich mich nicht mehr auf den Unterricht konzentrieren konnte und keine Lust mehr hatte, mich anzustrengen. Meine Noten fielen entsprechend ab, so dass meine Versetzung gefährdet war. Damals schleppte mich meine Mutter zu einem Kinder- und Jugendpsychiater, der das als Pubertätskrise wertete und mich wieder nach Hause schickte. Irgendwie machte ich dann mein Abitur und war eigentlich froh, zu Hause ausziehen zu können, da sich die Schwierigkeiten und Konflikte mit meinen Eltern immer weiter zuspitzten. Aber leider wurde beim Studium in der fremden Stadt mit den fremden Menschen alles noch schlimmer. Ich fand keinen Anschluss und wurde immer misstrauischer."

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Symptome (Krankheitszeichen) der Erkrankung

Die Symptome der Schizophrenien werden durch die Erhebung der Psychopathologie erfasst, dabei spiegelt der psychopathologische Befund das jeweils individuelle Muster psychotischer Symptome wieder, das dann in einem zweiten Schritt Untergruppen der Erkrankung zugeordnet werden kann, um eine spezifische Diagnose zu stellen.

Als psychopathologische Symptome im Allgemeinen können formale Denkstörungen (Ordnung des Denkens), Wahnsymptome (Interpretation der Umwelt und Inhalt des Denkens), Halluzinationen aller Sinnesbereiche (Wahrnehmung), Ich-Störungen (Erleben der eigenen Person), Störungen der Affektivität (Gefühle), Störungen des Willens und der Psychomotorik (Bewegung) und Störungen des Trieb- und Sozialverhaltens (Umgang mit und Reaktion auf die Umwelt) auftreten.

Im zeitlichen Verlauf der Erkrankung tritt zu Beginn häufig zunächst ein sogenanntes prodromales Syndrom auf, dabei handelt es sich quasi um "Vorboten der Erkrankung". Diese Erkrankungsperiode zeichnet sich durch beginnende, zum Teil milde ausgeprägte und vor allem subjektiv geschilderte Krankheitsanzeichen aus: Veränderungen in der Gefühle treten auf im Sinne von Misstrauen, gedrückter Stimmung, Ängstlichkeit, Stimmungsschwankungen, Anspannung, Irritierbarkeit, Wut, etc., Veränderungen im Denken treten auf als eigenartige Ideen, vage Vorstellungen, Schwierigkeiten bezüglich Gedächtnis oder Konzentration, ausserdem können Veränderungen der Wahrnehmung von sich selbst, von anderen oder von der Welt als Ganzer auftreten, genauso wie physische oder Wahrnehmungsveränderungen im Sinne von Schlafstörungen, Appetitveränderungen, körperlichen Beschwerden oder dem Verlust von Energie oder Motivation. So zeigt sich das prodromale Syndrom im Alltag zum Beispiel in Form von Verhaltensänderungen und Änderung der bisherigen Gewohnheiten, in einem beruflichen Versagen bzw. Leistungsabfall, in einem sozialen Rückzug, Konzentrationsstörungen, häufigem Arbeitsplatzwechsel, dem gehäuften Überschreiten von Regeln, emotionaler Labilität, Misstrauen, plötzlichem Alkohol- und Drogenmissbrauch, Schlafstörungen, Unruhe, Befürchtungen, Ängsten, einer allgemeinen Lustlosigkeit oder von Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie anderen abnormen Körpergefühlen.

Zur Diagnose des Vollbildes einer Schizophrenie werden im ICD-10, das ist die internationale Klassifikation für Erkrankungen der Weltgesundheitsorganisation folgende Krankheitszeichen und Kombinationen von Krankheitszeichen beschrieben:

  1. Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung.
  2. Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gefühl des Gemachten, deutlich bezogen auf Körper- oder Gliederbewegungen oder bestimmte Gedanken, Tätigkeiten oder Empfindungen; Wahnwahrnehmungen.
  3. Kommentierende oder dialogische Stimmen, die über den Patienten und sein Verhalten sprechen, oder andere Stimmen, die aus einem Teil des Körpers kommen.
  4. Anhaltender, kulturell unangemessener oder völlig unrealistischer (bizarrer) Wahn, wie der, eine religiöse oder politische Persönlichkeit zu sein, übermenschliche Kräfte und Fähigkeiten zu besitzen (z.B. das Wetter kontrollieren zu können oder im Kontakt mit Ausserirdischen zu sein).
  5. Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität, begleitet entweder von flüchtigen oder undeutlich ausgebildeten Wahngedanken ohne deutliche affektive Beteiligung, oder begleitet von anhaltenden überwertigen Ideen, täglich über Wochen und Monate auftretend.
  6. Gedankenabreissen oder Einschiebungen in den Gedankenfluss, was zu Zerfahrenheit, Danebenreden oder Neologismen führt.
  7. Katatone Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypien oder wächserne Biegsamkeit (Flexibilitas Cerea), Negativismus, Mutismus und Stupor.
  8. "Negative" Symptome wie auffällige Apathie, Sprachverarmung, verflachte oder inadäquate Affekte, zumeist mit sozialem Rückzug und verminderter sozialer Leistungsfähigkeit. Diese Symptome dürfen nicht durch eine Depression oder eine neuroleptische Medikation verursacht sein.

Die Diagnose einer Schizophrenie darf gestellt werden, wenn mindestens ein eindeutiges Krankheitszeichen (zwei oder mehr, wenn weniger eindeutig) der oben genannten Gruppen 1-4 oder mindestens zwei Symptome der Gruppen 5-8 über einen Zeitraum von einem Monat oder länger fast ständig vorhanden waren.

An drei Bereichen soll beispielhaft erklärt werden, wie man diese Anzeichen der Erkrankung im Alltag erkennen kann:

  1. Denken: Das Denken vieler Patienten erscheint unklar, die Betroffenen erscheinen verwirrt. Für den Aussenstehenden ist beim Zuhören kein roter Faden erkennbar, es fehlt am logischen Aufbau und am Zusammenhang. Dabei redet der Betroffene unter Umständen wie ein Wasserfall. Der Satzaufbau stimmt oft nicht mehr und die Sprache zerfällt nicht selten in Bruchstücke bis hin zu Wortfetzen, die kaum noch verständlich sind. Es ist charakteristisch, dass sich Phasen mit geordnetem Denken und Reden mit völlig Zerfahrenem abwechseln können.
  2. Gefühl: Die Stimmung als Ausdruck der Gefühle kann bei Menschen mit einer Psychose sehr unterschiedlich sein. Manche sind eher depressiv, fühlen sich hilflos und niedergeschlagen. Die Betroffenen haben zu nichts Lust, sind ohne Antrieb, etwas zu unternehmen und wirken bedrückt und traurig. Andere dagegen erscheinen geradezu ausgelassen fröhlich. Diese vermeintliche gute Laune wirkt aber eher oberflächlich, oft sehr übertrieben und distanzlos. Sie kann auch der Situation gänzlich unangemessen sein, wenn z.B. von einem tragischen Unfall lachend oder scherzend berichtet wird. Gerade dieses verhalten kann bei anderen Menschen grosses Befremden auslösen. Besonders im Anfangsstadium der Erkrankung kann das Unheimliche und Unbekannte beim Betroffenen erhebliche Angst auslösen. Vor diesem Hintergrund kann die Stimmungslage der Betroffenen häufig auch innerhalb weniger Augenblicke zwischen misstrauisch-feindselig und übertrieben gutgelaunt schwanken. Gerade diese nicht nachvollziehbaren Wechsel sind oft nur schwer zu verstehen und belastend.
  3. Wahrnehmung: Die Störung des Denkinhaltes bzw. die Fehlinterpretation von Ereignissen in der Umwelt, die man als Wahn bezeichnet sind bei Psychosen sehr häufig. Oft fühlen sich die Betroffenen verfolgt und beeinflusst durch andere Menschen oder Mächte. Ein weiterer typischer Ausdruck des Wahns sind Strahlungen oder Gifte, die auf den Körper einwirken sollen. Genauso charakteristisch sind die Sinnestäuschungen, z.B. Halluzinationen, die z.B. in Form von Stimmen auftreten, die von den Betroffenen gehört werden, die schimpfen, fluchen, drohen oder jede Handlung kommentieren, wobei diese Stimmen objektiv nicht existieren. Dasselbe gilt für Dinge oder Personen, die gesehen werden (z.B. der Teufel) oder Veränderungen, die am Körper selbst festgestellt werden (z.B. Es komme zu Schmerzen in den Armen, weil die Knochen wieder wachsen).

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Formen der Störung und Untergruppen

Die Krankheitszeichen (Symptome bzw. Symptomatik) der Schizophrenien und anderer psychotischer Erkrankungen sind die vielfältigsten aller psychischen Störungen. Dies bedeutet, dass der Untergliederung der komplexen Symptomatik für die Diagnose der Schizophrenien eine grosse Bedeutung zukommt. Dazu sind aufgrund unterschiedlicher Krankheitskonzepte immer wieder neue Ansätze entwickelt und erprobt worden.

Die gängigste und in der europäischen Psychiatrie übliche Einteilung der Schizophrenien folgt der Klassifikation wie sie im ICD-10 vorgenommen wird. Neben der Untergliederung der Schizophrenien als solche in Untertypen erfolgt dort eine genaue Klassifikation aller psychotischen Erkrankungen.

Grob unterschieden wird zwischen den Haupterkrankungstypen:

  1. Paranoide Schizophrenie:
    Hierbei handelt es sich um die in den meisten Teilen der Welt häufigste Untergruppe der Schizophrenien und um diejenige Form, die das Bild dieser Erkrankung lange Zeit am meisten geprägt hat. Das klinische Bild wird von meist relativ lang anhaltenden und evetuell systematisierten Wahnideen beherrscht, die eventuell von halluzinatorischen Erlebnissen begleitet sind. Das alleinige Vorkommen halluzinatorischer Erlebnisse ist zwar möglich, jedoch deutlich seltener. Weitere schizophrene Symptome - insbesondere formale Denkstörungen, negative oder katatone Symptome - sind bei dieser From ebenfalls nachweisbar, stehen aber nicht im Vordergrund des klinischen Bildes.
  2. Hebephrene Schizophrenie:
    Bei diesem Untertyp stehen affektive Auffälligkeiten im Vordergrund. So muss einerseits eine Verflachung oder Inadäquatheit des Affekts vorhanden sein, andererseits entweder eine Störung des Verhaltens oder formale Denkstörungen. Produktive psychotische Phänomene können vorhanden sein, dominieren jedoch nicht das klinische Bild.
  3. Katatone Schizophrenie:
    Es müssen mindestens zwei Symptome im Sinne von motorischen Störungen im Vordergrund des klinischen Bildes stehen. Daneben müssen grundsätzlich die Kriterien für das Vorliegen einer Schizophrenie erfüllt sein (Vorliegen von Wahn, Halluzinationen, affektive Störung, etc).

In der Fachliteratur werden eine Reihe weiterer psychotischer Erkrankungen unterschieden, wobei das wichtigste Unterscheidungsmerkmal darin liegt, akute Erkrankungen von chronisch verlaufenden Erkrankungen zu unterscheiden.

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Wie entsteht diese Störung?

Wie viele andere körperliche und psychische Erkrankungen sind auch psychosen nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen. Vielmehr spielen mehrere die Erkrankung begünstigende Einflüsse eine Rolle. Ein Risokofaktor alleine kann dabei niemals die Erkrankung verursachen. Verschiedene Risiko- und Schutzfaktoren hingegen wirken auf eine bestimmte Art und Weise zusammen und lassen sich in die Komponenten unterteilen:

  1. Vulnerabilität (Anfälligkeit): ist die immer schon vorhandene Bereitschaft unter ausgeprägter Belastung mit psychotischem Verhalten und Erleben zu reagieren. 
  1. Stress (Belastung): besteht in überfordernd erlebten Umweltanforderungen
  1. Bewältigung: ist die erworbene Fähigkeit, mit Stress so umzugehen, dass die Belastung erheblich reduziert wird. 

Das Auftreten von Psychosen wird von Genen beeinflusst. Das ist keine Überraschung, denn alle häufigen Erkrankungen stehen unter dem Einfluss von Genen, z.B. Bluthochdruck, Herzinfarkt, Diabetes (Zuckerkrankheit) und sogar Infektionen. Dabei können genetische Bedingungen niemals vollständig das Auftreten dieser Erkrankungen begründen. Immer kommen auch nichtgenetisch begründete Umweltbedingungen hinzu. Erst durch das Zusammenspiel vieler verschiedner Gene und nicht genetischer Einflüsse kann es nämlich zum Ausbruch einer psychotischen Erkrankung kommen. Die spezifischen Krankheitsgene sind bis heute nicht bekannt, sie werden aber von vielen Forschergruppen intensiv gesucht.

Zum Zusammenhang von Cannabiskonsum und Entstehung psychotischer Erkrankungen ist zu ergänzen, dass der Konsum der Droge zu Störungen der Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsfunktion führen kann und dass es in diesem Zusammenhang zu Lernstörungen kommen kann. Ob Cannabis ursächlich mit der Entstehung einer Psychose oder Schizophrenie verknüpft ist, kann bisher nicht sicher beurteilt werden. Mehrere Studien zeigen aber, dass bei Jugendlichen, die regelmässig Cannabis konsumieren, eine Schizophrenie bis zu sechsmal häufiger auftritt. Da die Entwicklung ungünstiger ist, je früher im Leben die Psychose auftritt, ist zu befürchten, dass Cannabis bei gefährdeten jüngeren Erwachsenen den Erkrankungsbeginn beschleunigt. Auch unabhängig vom Erkrankungszeitpunkt ist Cannabiskonsum mit einem schlechteren Verlauf der Erkrankung verbunden.

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Wie wird diese Störung behandelt?

Die Behandlung sollte in einer integrativen Therapie bestehen, die medikamentöse und psychotherapeutische Aspekte der Behandlung angemessen berücksichtigt und häufig nur durch ein interdisziplinäres Team zu gewährleisten ist. Insbesondere bei Ersterkrankten ist die Behandlung in einer spezialisierten Einrichtung in Betracht zu ziehen.

Ziele der Behandlung sind ein möglichst vollständiges Verschwinden der psychotischen Positivsymptomatik, die Prävention oder Früherkennung und Behandlung von begleitenden Symptomen wie Negativsymptomen, einer Depression, einer Manie, von Angstsymptomen oder Panikattacken sowie eines Drogen- oder Alkoholmissbrauchs. Darüber hinaus sollte die Unterstützung der Wiedereingliederung und psychosozialen "Erholung" sowie die Zusammenarbeit mit Familie und Freunden im Vordergrund stehen, um Unterstützung zu bieten und um eine tragfähige und belastbare Umwelt zu schaffen als Grundlage für die weitere Erholung.

Wege, um diese Ziele zu erreichen bestehen in einer Reduktion von Zugangsproblemen zur  Behandlung (Geschwindigkeit und Möglichkeit), darin die Entwicklung der therapeutischen Beziehung zu unterstützen, in einer antipsychotischen (neuroleptischen) Medikation, der Entwicklung eines gemeinsamen Krankheitsmodells, im Aufstellen eines Kriseninterventionsplans, in der Unterstützung der Familie, der Unterstützung der ?funktionellen? Heilung und der Wiederherstellung einer guten Lebensqualität und in der Verhinderung unproduktiven Bewältigungsverhaltens.

Im Zentrum der Behandlung mit Medikamenten steht der Einsatz der spezifisch gegen psychotische Symptome (antipsychotisch) wirksamen Neuroleptika. Hier werden landläufig typische (klassische) und atypische Neuroleptika unterschieden. Die typischen Neuroleptika haben eine gute Wirkung auf positive psychotische Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen, sie wirken aber weniger gut auf negative Symptome (sozialer Rückzug, Apathie, etc.). Auch können sie in der notwendigen therapeutischen Dosierung zu Nebenwirkungen wie motorischen Störungen, Milch- oder Speichelfluss führen. Atypische Neuroleptika sind oft wirksamer in der Behandlung der negativen und der affektiven Symptome, sie haben zudem weniger motorische Nebenwirkungen, allerdings kann es zu Gewichtszunahme oder der Entwicklung eines Diabetes mellitus kommen. Neben den genannten Neuroleptika kommen auch langwirksame Neuroleptika (Depotneuroleptika), Antdepressiva, Medikamente zur Beruhigung (z.B. Benzodiazepine) und stimmungsstabilisierende Medikamente zum Einsatz.

Die psychosoziale Betreuung und psychotherapeutische Behandlung sind der zweite wichtige Pfeiler in der Behandlung der Schizophrenie. Auch eine gute medikamentöse Therapie macht eine psychosoziale Therapie nicht überflüssig. Bei der psychosozialen Betreuung gibt es verschiedene Aspekte: Eine zentrale Rolle kommt der Familientherapie zu, daneben spielen Psychoedukation, d.h. das Lernen über die Erkrankung, kognitive und Verhaltenstherapie eine wichtige Rolle. Besonders zu beachten ist auch das sozialtherapeutische Training, dazu gehört die Planung der beruflichen Integration und Hilfe bei der Wohnsituation.

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Fakten zur Erkrankung

  1. Die Neuerkrankungszahl pro Jahr beträgt 0,03 - 0,06% der Bevölkerung, die Gesamtzahl Erkrankter in der Bevölkerung beträgt 0,3 bis 0,5%, das Lebenszeitrisiko 1 - (2)% der Bevölkerung.
  2. Es kommt zu einem häufigen Auftreten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, der Häufigkeitsgipfel liegt bei Männern zwischen dem 15. und 24. Lebensjahr, bei Frauen zwischen dem 25. und 34. Lebensjahr (Auftreten im Kindesalter bei ca. 2% der Fälle, Auftreten nach dem 40. Lebensjahr bei ca. 20% der Fälle als sogenannte "Spätschizophrenie").
  3. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer, sie erkranken durchschnittlich später als Männer.
  4. Zur Häufigkeit schizophrener Psychosen in den Familien von schizophren Erkrankten: Eltern 5-10%, Geschwister 8-15%, Kinder 10-15% (bei schizophrenem Partner 50%), Enkel 2-5% (bei Verwandten 1. Grades ca. 10% Belastung, dagegen Allgemeinbevölkerung: ca. 1%!)
  5. Hohe Suizidrate bei schizophrenen Patienten: ca. 10%
  6. Transkulturell ist eine vergleichbare Häufigkeit in allen Teilen der Welt zu beobachten.

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Was kann ich als Angehöriger machen?

Wenn Sie über einen längeren Zeitraum hinweg Veränderungen beobachten, die Ihnen Sorge bereiten, insbesondere einen vermehrten sozialen Rückzug, eine depressive Stimmungslage, erhöhtes Misstrauen, vermehrte Anspannung und Reizbarkeit sowie Störungen der Konzentrations-, Lern- und Gedächtnisfähigkeit Ihres Angehörigen, kann sich die Vorstellung bei einem niedergelassenen Facharzt oder in einem Behandlungszentrum empfehlen.

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Literatur

  1. Bäuml, J. Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis - ein Ratgeber für Patienten und Angehörige. Berlin: Springer 1994
  2. Häfner, H. das Rätsel Schizophrenie. Eine Krankheit wird entschlüsselt. München: C.H.Beck 2000.
  3. Kissling, W., Pitschel-Walz, G. (Hrsg.) Mit Schizophrenie leben - Informationen für Patienten und Angehörige. Stuttgart, New York: Schattauer 2003.
  4. Knuf, A., Gartelmann, A. Bevor die Stimmen wieder kommen. Vorsorge und Selbsthilfe bei psychotischen Krisen. Bonn: Psychiatrie-Verlag 1997.

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Internet-Links

Internationale Adressen (englisch oder deutschsprachig)

Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.fetz.org
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.epos5.org
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.pepp.ca
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.eppic.org.au
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.eufami.org
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.kompetenznetz-schizophrenie.de
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.openthedoors.de
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.psychiatrie.de
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.psychoedukation.net
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.psychiatrie-aktuell.de

Schweizer Adressen 

Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.vask.ch
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.psychosis.ch
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.netzwerk-schizophrenie.ch
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.patienten.ch/

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Autor

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Dr. med. Gustav Wirtz
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
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Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
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Die letzte Aktualisierung dieses Dokuments erfolgte am 18. Februar 2008