Schlafstörungen
Inhalt
Was ist eine Schlafstörung?
Symptome
Mögliche Formen von Schlafstörungen
Wie entsteht eine Schlafstörung?
Wie wird eine Schlafstörung behandelt?
Fakten zu Schlafstörungen
Literaturhinweise
Was ist eine Schlafstörung?
Der ‚normale’ Schlaf kann grundsätzlich in zwei Richtungen gestört sein:
(1) Bei einer Insomnie leidet man darunter, dass man weniger schlafen kann, als man für die eigene Erholung brauchen würde. Während gelegentliche schlechte Nächte als normal angesehen werden, spricht man von einer Schlafstörung, wenn man mehrere Male pro Woche nicht gut schlafen kann.
(2) Bei einer Hypersomnie erlebt man ein deutlich gesteigertes Schlafbedürfnis in der Nacht (ungefähr 9 bis 12 Stunden) und schläft oft zusätzlich am Tag (oft eine Stunde oder länger).
Gemeinsam ist allen behandlungsbedürftigen Schlafstörungen, dass die Beschwerden seit mindestens einem Monat andauern und zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit am Tag führen.
Symptome
Einschlafprobleme (länger als eine halbe Stunde); Durchschlafprobleme (nächtliches Aufwachen nach einigen wenigen Stunden Schlaf und danach wach liegen während einer halben Stunde und länger); morgendliches Früherwachen (aufwachen deutlich vor der Zeit um welche der Wecker klingelt ohne wieder einschlafen zu können); erhöhte Müdigkeit am Tag mit der Unfähigkeit zum Tagesschlaf (bei der Insomnie) resp. dem (un)gewollten Einnicken am Tag (bei der Hypersomnie); Konzentrationsstörungen; niedergeschlagene, reizbare Stimmung.
Mögliche Formen von Schlafstörungen
Es ist eine grosse Anzahl unterschiedlicher Schlafstörungen bekannt. Die häufigsten sind:
Nicht-organisch bedingte Schlafstörungen:
Primäre Insomnie: Obwohl die betroffene Person ‚körperlich gesund’ ist, leidet sie regelmässig unter Ein- und oder Durchschlafschwierigkeiten oder morgendlichem Früherwachen.
Primäre Hypersomnie: Auch hier finden sich keine Hinweise auf eine körperliche Krankheit, Betroffene verspüren ein überdurchschnittlich hohes Schlafbedürfnis.
Albträume: Diese sind, wenn sie gelegentlich auftreten, als ‚normal’ zu betrachten. Wiederkehrende belastende Albträume können Hinweise auf seelische Konflikte sein.
Schlafwandeln in der Kindheit ‚verwächst’ sich in der Regel ohne Behandlung. Beim Schlafwandeln im Erwachsenenalter ist in erster Linie sicher zu stellen, dass sich die schlafwandelnde Person nicht verletzen kann.
Schlafstörungen mit bekannter körperlicher Ursache:
Schlafapnoe.Syndrom: Hier führt das Aussetzen der Atmung (während 20 bis 90 Sekunden, 10 –15x pro Stunde) in der Nacht zu einem unerholsamen Schlaf und hoher Tagesschläfrigkeit. Oft ist es der Bettpartner / die Bettpartnerin welche die Atemaussetzer beobachtet.
Narkolepsie: Betroffene erleben am Tag ‚Schlafattacken’, denen sie nicht widerstehen können. Nach 10-20 Minuten wachen sie wieder auf und fühlen sich deutlich erholt. Typisch sind zudem Kataplexien (plötzlicher Verlust des Muskeltonus), kurz andauerndes Gefühl des Gelähmtseins beim Aufwachen (Schlaflähmung) sowie Halluzinationen beim Einschlafen und beim Erwachen.
Restless legs Syndrom (RLS): Beim Entspannen, insbesondere beim Einschlafen stellen sich Missempfindungen (kribbeln, ‚Ameisenlaufen’, brennen) in den Beinen oder auch in den Armen oder anderen Extremitäten ein. Die Missempfindungen verhindern ein einschlafen und werden durch Bewegung deutlich besser.
Wie entsteht eine Schlafstörung?
Je nach Form der Schlafstörung sind ganz unterschiedliche Ursachen verantwortlich (s.o.).
Wie wird eine Schlafstörung behandelt?
Je nach Form der Schlafstörung ist eine sehr unterschiedliche Behandlung angezeigt. Am Anfang einer Behandlung sollte daher eine sorgfältige diagnostische Abklärung erfolgen. Beim Verdacht auf eine organisch bedingte Schlafstörung ist in der Regel die Untersuchung in einem Schlaflabor (Adressen s. unten) notwendig.
Ein- und Durchschlafstörungen ohne organische Ursache werden immer noch (zu) oft mit Schlafmitteln behandelt. Hier gilt zu beachten, dass diese Medikamente maximal während zwei bis vier Wochen regelmässig eingenommen werden sollten. Die Gefahr der Gewöhnung (Toleranz und damit Steigerung der Dosis) und der Abhängigkeit (Entzugssymptome beim Nichteinnehmen des Medikamentes) sind auch bei den aktuell verordneten Schlafmitteln weiterhin hoch!
In einer verhaltenstherapeutischen Behandlung wird zunächst das Schlafverhalten genau beobachtet (meist mit einem Schlaftagebuch). Je nach Situation werden geeignete Schlafzeiten festgelegt und Tipps zur Förderung der Schlaffähigkeit vermittelt (Schlafhygiene). Da bei vielen Menschen mit Ein- und Durchschlafproblemen starke Ängste vor dem ‚Nichtschlafen können’ festzustellen sind, ist auch ein gezielter Umgang mit diesen Befürchtungen oft sehr hilfreich. Bewährt haben sich zudem Entspannungsübungen, mit welchen man sich selber (ohne Schlafmittel) in einen schlafbereiten Zustand versetzen kann.
Fakten zu Schlafstörungen
Unter chronischen Schlafstörungen leidet ca. ein Viertel der Bevölkerung! Frauen sind ewas häufiger betroffen als Männer und die Verbreitung von Schlafstörungen nimmt mit zunehmendem Alter zu. Dies bedeutet allerdings nicht, dass alle älteren Menschen schlecht schlafen. Ein- und Durchschlafstörungen werden oft durch besondere Belastungssituationen (Sorgen, Krankheit, Stress) ausgelöst, entwickeln dann aber rasch eine Eigendynamik und bestehen weiterhin, auch nachdem die ursprünglich auslösende Situation nicht mehr aktuell ist. Bei etwa 50 –75% der Personen mit Insomniebeschwerden hält die Symptomatik länger als ein Jahr an. Eine frühere Insomnie ist der grösste Risikofaktor für die Entwicklung einer weiteren Phase der Schlaflosigkeit.
Die ‚normale’ Schlafdauer variiert in der Allgemeinbevölkerung beträchtlich (zwischen vier und zwölf Stunden). Sehr kurzer oder überdurchschnittlich langer Schlaf ist nur dann krankhaft, wenn dadurch eine deutliche Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit entsteht.
Literaturhinweise
- Riemann, D. (2004). Ratgeber Schlafstörungen. Informationen für Betroffene und Angehörige. Verlag:Hogrefe
- Stutz, S. (Hrg., 2004). Besser schlafen. Verlag: Orell Füssli
Internet-Links
swiss-sleep.ch
Zentren für Schlafmedizin in der Schweiz
uni-marburg.de
Deutsche Gesellschaft für Schalfmedizin
schlaf-test.de
Selbstdiagnose via Internet
Adresse des Autors
Dr. phil. Daniel Gassmann
Fachpsychologe für Psychotherapie FSP
Verhaltenstherapeut SGVT
Lindenhofspital Bern
Zentrum für Schlafmedizin
Bremgartenstrasse 117
Postfach 3001 Bern
Tel.: 031-300 88 90
daniel.gassmann@ptp.unibe.ch
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Die letzte Aktualisierung dieses Dokuments erfolgte am 18. Februar 2008
