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Samstag, 31. Juli 2010

Körperliche Beschwerden/Somatoforme Störungen

Inhalt

Was sind somatoforme Störungen?
Was sind die häufigsten Symptome?
Wie häufig sind somatoforme Symptome und Störungen?
Wie werden somatoforme Störungen klassifiziert?
Wie werden somatoforme Störungen diagnostiziert?
Was sind die Ursachen von somatoformen Störungen?
Wie werden somatoforme Störungen behandelt?
Literatur

Was sind somatoforme Störungen?

Der Begriff "somatoform" wird verwendet, wenn ein körperliches Symptom nicht oder nicht ausreichend durch eine organische Ursache erklärt werden kann. Wenn somatoforme Symptome über einen längeren Zeitraum (d.h. über sechs Monate) auftreten und so stark sind, dass es zu beträchtlichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität und der Leistungsfähigkeit kommt, spricht man von einer somatoformen Störungen.

Was sind die häufigsten Symptome?

Die häufigsten somatoformen Symptome sind Schmerzen, Müdigkeit und Erschöpfung sowie Verdauungsprobleme. Somatoforme Symptome können in unterschiedlichen Organsystemen auftreten und äussern sich entsprechend in Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Schmerzen in den Armen und/oder Beinen, Brustschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schluckbeschwerden, Druckgefühl im Bauch, Völlegefühle, Durchfall, häufiger Stuhlgang, häufiges Wasserlassen, Druckgefühl in der Herzgegend, Herzklopfen oder Herzrasen, Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Erröten und Atemnot.

Wie häufig sind somatoforme Symptome und Störungen?

Körperliche Symptome sind sehr häufig und treten, zumindest zeitweise und kurzfristig, bei den meisten Menschen (ca. 80%) auf, d.h. das Erleben von körperlichen Symptomen ist in den meisten Fällen "normal" und auch nicht auf das Vorliegen einer körperlichen oder auch psychischen Erkrankung zurückzuführen. Die Häufigkeit von somatoformen Störungen, d.h. das Vorliegen von starken, beeinträchtigenden und langandauernden körperlichen Beschwerden, ist davon abhängig, welche Personengruppen untersucht wird (werden). In der Allgemeinbevölkerung können bei bis zu 10% eine somatoforme Störung(en) meist chronische Schmerzen und Erschöpfung, festgestellt werden. Die Häufigkeit nimmt aber zu, wenn man Patienten in Arztpraxen und Spitälern untersucht. Verschiedene Studien zeigen, dass dort bei bis zu 50% aller Patienten die körperlichen Symptome nicht bzw. nicht ausreichend durch das Vorliegen einer medizinischen Ursache erklärt werden können.

Wie werden somatoforme Störungen klassifiziert?

Es gibt eine grosse Anzahl verschiedener diagnostischer Bezeichnungen, die sich danach unterscheiden lassen, ob man eher dem medizinischen oder dem psychologisch-psychiatrischen Sprachgebrauch folgt. In der Medizin werden entsprechende Symptome oft als funktionelle somatische Syndrome bezeichnet, wohingegen Psychiater und Psychologen eher von somatoformen Symptomen sprechen. Die offizielle Bezeichnung in den internationalen Klassifikationssystemen ist "somatoforme Störungen". Neben diesen offiziellen Kategorien haben sich auch weitere Bezeichnungen etabliert, wie beispielsweise Fibromyalgie (gekennzeichnet durch starke und andauernde Muskelschmerzen), Chronisches Erschöpfungssyndrom (nomen est omen), Reizmagen und Reizdarm, Multiple-Chemical-Sensitivity (Multiple Chemiekalienunverträglichkeit) und Chronische Unterbauchbeschwerden, die gesamthaft den funktionellen somatischen Syndromen zugeordnet werden.

Wie werden somatoforme Störungen diagnostiziert?

Eine somatoforme Störung kann diagnostizieren werden, wenn mögliche organische Krankheiten und psychische Störungen (hier vor allem Angststörungen und depressive Störungen) ausgeschlossen sind. Entsprechend sollten betroffene Personen zuerst einen Hausarzt/Facharzt aufsuchen, der dies abklärt. Besteht ein begründeter Verdacht auf das Vorliegen einer organischen Krankheit oder psychischen Störung, sollte dies mit sinnvollen weiteren diagnostischen Untersuchungen weiter abgeklärt werden. Eine fortwährende Suche nach den organischen Ursachen (sofern aus ärztlicher Sicht nicht die Notwendigkeit dazu besteht) verhindert den Beginn einer adäquaten Therapie. Generell gilt, dass eine Diagnose nicht das Ende, sondern der Beginn einer Behandlung ist.

Was sind die Ursachen von somatoformen Störungen?

Zur Beantwortung dieser Frage ist es zunächst wichtig, einen wichtigen Punkt vorab zu klären: Sind somatoforme Beschwerden und Störungen "rein psychisch"? Diese Frage ist nicht unwichtig, da somatoforme Symptome per Definition nicht bzw. nicht ausreichend durch einen medizinischen Faktor, d.h. durch eine vorliegende medizinische Erkrankung, erklärt werden können. Dies bedeutet aber nicht, dass die erlebten Beschwerden "eingebildet" bzw. "rein psychisch" sind. Vielmehr zeigen neuere Befunde, dass bei Patienten mit somatoformen Störungen das komplexe Zusammenspiel verschiedener körperlicher Funktionen gestört ist. Dies zeigt sich beispielsweise in einer reduzierten Aktivität und Reaktivität bestimmter Hormonsysteme oder aber in Veränderungen der neuronalen Abbildung von Schmerzen im Gehirn. Als Ursachen dieser Veränderungen kommen nun aber psychische, emotionale und verhaltensmässige Prozesse ins Spiel. Vor allem langandauernde oder traumatische Belastungen haben einen nachweisbaren Einfluss auf bestimmte körperliche Funktionen, was dann auch zu den somatoformen Symptomen führen kann. In vielen Fällen kommt es zu einem Wechselspiel zwischen körperlichen Prozessen (z.B. Verletzung, Unfall oder Erkrankung) und einer starken psychischen Belastung (z.B. Arbeitsüberlastung), welches dann in Folge die Entwicklung und Chronifizierung somatoformer Symptome begünstigt. Oft wird bei der Suche nach Erklärungen der Beschwerden der Einfluss von psychischen Belastungen wenig beachtet, was oft dazu führt, dass eine Behandlung verzögert oder erschwert wird.

Wie werden somatoforme Störungen behandelt?

Das Wichtigste zuerst: Die Ergebnisse zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen belegen, dass eine erfolgreiche und wirksame Behandlung von somatoformen Störungen möglich ist. Die Methode der Wahl ist die Psychotherapie, welche im Einzelfall mit anderen Massnahmen (zum Beispiel Physiotherapie, Bewegungsaufbau, Schlaftraining, Stressmanagementtraining, etc.) kombiniert werden kann. Ausschliesslich medizinische Massnahmen (beispielsweise chronische Schmerzmitteleinnahme oder Immun-Therapien) haben keine langfristigen positiven Auswirkungen, es besteht vielmehr die Gefahr einer Chronifizierung. Bei der psychotherapeutischen Behandlung somatoformer Störungen muss beachtet werden, dass mögliche Veränderungen Zeit brauchen. Das bedeutet auch, dass einer erfolgreichen psychotherapeutischen Behandlung auch diese Zeit zugestanden werden soll.

Grundlegend für die Psychotherapie somatoformer Störungen sind folgende Aspekte:

Literatur

Für Betroffene:

Kontakt

PD Dr. phil. Jens Gaab
Fachpsychologe für Psychotherapie (FSP)
Verhaltensmedizinische Ambulanz
Universität Zürich
Attenhoferstrasse 9
8032 Zürich
044 6345275

E-Mail vma@dont-want-spampsychologie.uzh.ch
externer Link folgtwww.psychologie.unizh.ch

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Die letzte Aktualisierung dieses Dokuments erfolgte am  1. März 2010