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Samstag, 31. Juli 2010

Störungen der Aufmerksamkeit/ADHS/POS

Inhalt

Was ist eine Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS)?
Was sind ADHD, HKS, POS?
Was sind Symptome einer ADHS?
Wie entsteht ADHS?
Wie wird ADHS behandelt?
Wissenschaftliche Fakts zum ADS
Literatur

Was ist eine Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS)?

Ein Kind, das im Vergleich zu Gleichaltrigen deutlich mehr Schwierigkeiten hat, sich bei einer nicht selbst gewählten Tätigkeit zu konzentrieren und längere Zeit aufmerksam zu sein, das immer wieder unüberlegt handelt und zu heftigen Gefühlsausbrüchen neigt, leidet möglicherweise an einer Störung der Aufmerksamkeitsregulierung. Ist das Kind dabei motorisch unruhig, wild, ein richtiger "Zappelphilipp", der seine Umgebung oft an die Grenzen ihrer Belastbarkeit führt, so könnte es sich um eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung, kurz ADHS, handeln. Fehlt die motorische Unruhe, ist das Kind eher ein "Träumer", vergesslich, scheinbar träge und antriebsarm und geht in der Kindergruppe unter, liegt möglicherweise eine Variante der Störung vor, die auch unter dem Namen Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ohne Hyperaktivität (ADS) bekannt ist.

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Was sind ADHD, HKS, POS?

Anstelle von ADHS und ADS haben Sie vielleicht auch schon die englischen Begriffe ADHD (attention-deficit-hyperactivity-disorder), den vorwiegend in Deutschland gebräuchlichen Ausdruck HKS (Hyperkinetisches Syndrom) oder in der Schweiz den Begriff POS (psychoorganisches Syndrom) gehört.

HKS, ADHS und ADHD meinen in etwa das gleiche. POS ist ein nur in der Schweiz verwendeter Begriff. Er bezeichnet versicherungstechnische Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, damit die Invalidenversicherung (IV) die Probleme als Geburtsgebrechen anerkennt und Leistungen bezahlt. Neben den Symptomen der ADHS müssen dafür zusätzlich Gedächtnis- und Wahrnehmungsschwierigkeiten vorliegen.

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Was sind Symptome einer ADHS?

Kinder mit ADHS sind oft  schon als Säugling anstrengend: Sie sind unruhig und irritierbar, leiden an Bauchkolliken, haben Mühe einen Schlafrhythmus zu finden usw. Aber auch sehr ruhige Babies können später eine ADHS entwickeln.

Im Kleinkind- und Vorschulalter wirken die Kinder oft ziellos und von innerer Unruhe getrieben. Sie können sich schlecht in ein Spiel vertiefen, wirken häufig missmutig und können eine sehr heftige Trotzphase durchleben. In Spielgruppen und Kindergarten gelten sie oft als Störefriede und Spielverderber, spielen den Clown oder zerstören auch einmal die Bastelarbeit eines Kameraden.

In der Primarschule stören Kinder mit ADHS häufig den Unterricht, sind ablenkbar, laut, unruhig und zappelig. Sie  bekommen vieles nicht mit oder vergessen es sofort wieder. Sie können oft nicht warten, bis sie an der Reihe sind, reden dazwischen oder beginnen etwas zu machen, bevor der Lehrer fertig erklärt hat. Bei den Mitschülern ecken sie häufig an, sie "nerven", werden ausgegrenzt. Wegen den ständigen Zurechtweisungen und den Misserfolgserlebnissen leidet ihr Selbstwertgefühl, und oft reagieren sie aggressiv auf die scheinbare Ungerechtigkeit von Lehrern und Mitschülern.

Im Jugendalter geht die motorische Unruhe zurück, die Aufmerksamkeitsprobleme bleiben jedoch bestehen. Es besteht die Gefahr, dass sich der Jugendliche durch Risikoverhalten (Drogen, Alkohol, Extremsport) oder bei einer Aussenseitergruppe (Kleinkriminalität, Jugendbande) die Bestätigung und Anerkennung sucht, die ihm in der Schule verwehrt war. Auch depressive Entwicklungen bis hin zum Suizid(versuch) kommen vor.

Auch im Erwachsenenalter wird aufgrund der Aufmerksamkeitsprobleme vieles schnell "langweilig", es kommt gehäuft zu Beziehungsabbrüchen, abgebrochenen Ausbildungen und häufigem Stellenwechsel.

Zusätzliche Schwierigkeiten: etwa ¾ der Kinder mit ADHS haben noch weitere Probleme. Besonders häufig sind dabei Lernschwierigkeiten und Teilleistungsstörungen, Auffälligkeiten im Umgang mit anderen (aggressives Verhalten, ausgeprägtes Trotzen), Ängste und Depressionen.

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Wie entsteht ADHS?

Es wird heute davon ausgegangen, dass die Anlagen für die beschriebenen Schwierigkeiten angeboren sind: Kinder mit ADHS zeigen einen veränderten Hirnstoffwechsels in bestimmten Hirnregionen.

Die Probleme sind daher nicht einfach die Folgen von Erziehungsfehlern. Die Kinder sind weder "böse" noch unerzogen. Es ist auch nicht so, dass sie "könnten, wenn sie wollten".

Erste Auffälligkeiten können sich wie beschrieben bereits im Kleinkindalter zeigen. Die ungenügende Steuerung von Aufmerksamkeit und/oder die Bewegungsunruhe werden häufig im Kindergarten, spätestens in der ersten Klasse zum Problem.

Treten Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme hingegen plötzlich auf oder beginnen erst spät, z.B. nach dem Übertritt in eine höhere Klasse, bei Konflikten mit Gleichaltrigen oder innerhalb der Familie, handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht um ein ADHS sondern um die Folge einer anderen Problematik (z.B. schulische Überforderung, Depression, Angst usw.)

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Wie wird ADHS behandelt?

Es bestehen verschiedene Ansatzpunkte, die je nach Problemsituation kombiniert werden. Dabei kann man zwischen medizinischen, psychotherapeutischen und pädagogischen Massnahmen unterscheiden. Die Massnahmen können sich direkt an das Kind oder eher an die Umgebung (Eltern, Lehrer usw.) richten.

Der erste Schritt ist in jedem Fall eine ausführliche Aufklärung und Beratung von Kind, Eltern und Lehrer. Das Wissen um die Störung und das geeignete erzieherische Vorgehen im Umgang damit kann in leichteren Fällen bereits ausreichen, um die Situation zu entspannen.

In einem zweiten Schritt geht es darum, einzelne Probleme gezielt anzugehen. Techniken aus der Verhaltenstherapie haben sich dazu besonders bewährt. Sie werden je nach Situation in der Schule/dem Kindergarten und/oder zu Hause eingesetzt und richten sich einerseits an das Kind selber (z.B. Konzentrationstraining, Impulskontrolle) oder an die Umgebung (z.B. Umgang mit massiven Trotzanfällen oder der Verweigerung der Mitarbeit).

Ist ein Kind stark von ADHS betroffen, reichen diese Massnahmen oft nicht aus. In diesen Fällen ist eine medikamentöse Behandlung vorwiegend in Kombination mit Verhaltenstherapie angezeigt. In der Regel verwendet man dabei Methylphenidat (Ritalin, Concerta). Es verbessert den Hirnstoffwechsel in denjenigen Hirnregionen, die für die Selbststeuerung und Selbstkontrolle wichtig sind. Dem Kind gelingt es dadurch besser, sein Verhalten "in den Griff zu bekommen", es ist weniger abgelenkt, weniger impulsiv und wird ruhiger ("Zappelphilipp") bzw. wacher ("Träumer"). Die Wirkung tritt innerhalb von 30-60 Minuten ein und dauert - je nach Darbietungsform - zwischen 4 und 12 Stunden. Nach individueller Einstellung der Dosis ist das Medikament in 70-80% wirksam. Wie bei anderen Medikamenten können auch Nebenwirkungen (z.B. Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden) auftreten.

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Wissenschaftliche Fakts zum ADS

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Literatur

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Internet-Links

Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterAdhs.ch: ausführliche Informationen zu verschiedensten Aspekten des  ADHS im Kindes- und Erwachsenenalter
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterelpos.ch: Informationen der Elternvereinigung von POS-Kindern
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenstersfg-adhs.ch: Informationen der Schweizerischen Fachgesellschaft für ADHS

Autorin

E. Stucki-Wüthrich
Fachpsychologin für
Kinderpsychologie und Psychotherapie FSP
Bernstr. 5
3067 Boll
Telefon: 079 516 81 13
E-Mail: lisstucki@dont-want-spamswissonline.ch

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Die letzte Aktualisierung dieses Dokuments erfolgte am 11. März 2008