Adipositas
Inhalt
Was ist Adipositas bei Kindern?
Was sind Folgen der kindlichen Adipositas?
Wie entsteht Adipositas?
Wie kann Adipositas im Kindes- und Jugendalter behandelt werden?
Wie häufig kommt Adipositas bei Kindern vor?
Literaturhinweise
Was ist Adipositas bei Kindern?
Adipositas wird definiert als ein übermässiger Anteil an Fettgewebe im menschlichen Körper. Zur Messung der Fettmasse wird der Body Mass Index (BMI) eingesetzt:
BMI = Körpergewicht (kg)
Körpergrösse (m)2
Formel für Online-Berechnung:
www.uni-hohenheim.de/wwwin140/info/interaktives/bmi.htm
Im Erwachsenenalter werden BMI-Werte ≥ 25 als Übergewicht und BMI-Werte ≥ 30 als Adipositas definiert. Bei der Beurteilung des BMI im Kindes- und Jugendalter wird berücksichtigt, dass durch das Wachstum und die Pubertätsentwicklung alters- und geschlechtsspezifische Veränderungen der Körperzusammensetzung erfolgen. Um das individuelle Übergewicht/Adipositas zu beurteilen, werden bei Kindern und Jugendlichen altersbezogene Perzentilkurven für Mädchen und Jungen verwendet.
Perzentilkurven für Mädchen und Knaben:
www.landwirtschaft-mlr.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/menu/1165336/index.html
Übergewicht => BMI: 90.-97. Perzentile
Adipositas => BMI: > 90. Perzentil
Was sind Folgen der kindlichen Adipositas?
Körperliche Folgen
- Erhöhtes Risiko für medizinische Erkrankungen (Herz- und Gefässkrankheiten, Bluthochdruck, Gallen- und Nierensteine, Diabetes Typ II, orthopädische Probleme, Leberverfettung, eingeschränkte Lungenfunktion, Schlafapnoe-Syndrom)
- Erhöhtes Risiko, auch im Erwachsenenalter an Adipositas und den damit verbundenen Folgeerscheinungen zu leiden
Psychische und soziale Probleme
- Niedriges Selbstwertgefühl
- Negative Einstellung zum eigenen Körper Þ erhöhtes Risiko für die Entwicklung anderer Essstörungen (Anorexia Nervosa, Bulimie, Binge Eating Disorder)
- Soziale Vorurteile, Ablehnung, Abstempelung, Hänseleien
- Schulische Probleme, Nachteile im beruflichen Werdegang und im Berufsleben
Exkurs: "Binge-Eating" |
Wie entsteht Adipositas?
Genetische Einflüsse
Übergewicht/ Adipositas der Eltern wird als Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter betrachtet. Die genetische Veranlagung bestimmt, ob eine Person für Adipositas empfänglich ist. Ob sich im Laufe des Lebens eine Adipositas entwickelt, ist jedoch von weiteren Bedingungen abhängig. Es wird angenommen, dass die erbliche Veranlagung bis zu 60% an der Entstehung der Adipositas beteiligt ist. Die restlichen 40% werden dem Einfluss von Umweltfaktoren und psychologischen Faktoren zugeschrieben.
Daraus ergeben sich Ansatzpunkte für eine Behandlung des Übergewichts: durch eine Veränderung dieser Umweltfaktoren kann das Körpergewicht auch bei ungünstigen erblichen Voraussetzungen beeinflusst werden!
Umweltfaktoren
- Ess- und Ernährungsgewohnheiten unserer Gesellschaft (z.B. unregelmässiges Essverhalten, energie- und fettreiche Speisen, zunehmendes Angebot an schnell verfügbaren, meist fettreichen Nahrungsmitteln, die fast keine Zubereitung erfordern) begünstigen die Entwicklung einer Adipositas bei bestehender erblicher Veranlagung.
- Bewegungsmangel im Alltag durch sitzende und passive Tätigkeiten (z.B. Fernsehen, Computerspiele, Internet etc.) führt dazu, dass der Körper weniger Energie verbraucht.
- Das derzeitige Schönheitsideal unserer Gesellschaft, das ein oft unrealistisches Körpergewicht propagiert, führt zu Diätversuchen, die häufig scheitern und eine Gewichtszunahme über das Ausgangsgewicht zur Folge haben können („JoJo-Effekt“)
Psychologische Faktoren
- Gefühle wie Stress, Langeweile, Angst und Einsamkeit können Motive für Essen ohne Hungergefühle darstellen
- Durch Essgewohnheiten in der Familie kann möglicherweise die Funktion von Essen als Stressbewältigungsstrategie oder zur Belohnung oder Bestrafung vom Kind verinnerlicht werden
- Ein negatives Körperbild kann mit einem negativen Selbstbild verbunden sein, wodurch Kinder sich weniger zutrauen, Probleme konstruktiv und eigenständig zu lösen – in der Folge erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass als Reaktion auf ein negatives Ereignis gegessen wird
Wie kann Adipositas im Kindes- und Jugendalter behandelt werden?
Gemäss den Richtlinien der Expertenkommission der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter der Deutschen Adipositas Gesellschaft (2003) wird als Therapieziel bei adipösen Kindern ein gesundes Essverhalten, eine Steigerung der körperlichen Aktivität, sowie eine Reduktion von körperlichen Risikofaktoren angestrebt. Als erfolgreich gilt eine Behandlung, wenn die Kinder ihr Gewicht über 2 Jahre konstant halten können. In einem zweiten Schritt kann ein Gewicht unter dem 85. Perzentil angestrebt werden.
Die besten Erfolge in der kindlichen Adipositastherapie lassen sich mit einer Kombination von Ernährungsmanagement, körperlicher Aktivität und Verhaltenstherapie erzielen. Je nach Behandlungsprogramm und Alter des Kindes werden die Eltern in die Behandlung miteinbezogen, oder es erfolgt eine alleinige Beratung der Eltern mit dem Ziel, die Eltern zu „Trainern“ ihrer Kinder auszubilden.
Wie häufig kommt Adipositas bei Kindern vor?
Die Häufigkeit und das Ausmass von Übergewicht und Adipositas nehmen weltweit zu. In westlichen Ländern sind eher Kinder aus sozial schwächeren Schichten betroffen, in den Ländern der Dritten Welt eher die Kinder der Mittel- und Oberschicht, die sich zunehmend am westlichen Lebensstil orientieren. In den USA hat die Zunahme an übergewichtigen Kindern ebenfalls eine Zunahme an der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ II) zur Folge – diese Entwicklung wird wahrscheinlich zeitlich verschoben auch in Europa zu sehen sein. Gemessen an amerikanischen Referenzwerten, sind in der Schweiz 23% der Knaben und 25% der Mädchen zwischen 6-12 Jahren übergewichtig, 9% der Knaben und 10% der Mädchen sind adipös.
Literaturhinweise
Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund. Empfehlungen für die Ernährung von übergewichtigen Kindern. Broschüre online bestellbar über
www.fke-shop.de
Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund. Optimix Kochbuch für Kinder. Online bestellbar über
www.fke-shop.de
Kolbe, H. & Weyrether, H. (2003). Mein Kind hat Übergewicht. Verlag Droemer Knaur.
Korsten-Reck, Ulrike (2001). Nina macht Mut. Erfolgreich gegen Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen. Verlag Ullstein HC.
Wabitsch, M., Zwiauer, K., Hebebrand, J., & Kiess, W. (Hrsg.). Adipositas bei Kindern und Jugendlichen. Grundlagen und Klinik. Berlin: Springer.
Internet-Link
Schweizerische Adipositas-Stiftung (SAPS).
www.saps.ch
Autorin
lic. phil. Barbara Schlup
Unter der Leitung von Prof. Silvia Schneider
Institut für Psychologie
Klinische Kinder- und Jugendpsychologie
Missionsstrasse 62a
CH- 4055 Basel
Telefon: 061 267 06 64
Fax: 061 267 06 59
E-Mail: Barbara.Schlup@unibas.ch
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Die letzte Aktualisierung dieses Dokuments erfolgte am 18. Februar 2008

