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Samstag, 31. Juli 2010

Stottern und umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache/ Kommunikations- störungen im Kindes- und Jugendalter

Inhalt

Was sind Kommunikationsstörungen?
Welche Kommunikationsstörungen gibt es und wie zeigen sie sich?
Wie entstehen Kommunikationsstörungen?
Wie häufig sind Kommunikationsstörungen und wie ist der Verlauf dieser Störungen?

Literaturhinweise

Was sind Kommunikationsstörungen?

Unter Kommunikationsstörungen werden Störungen der Sprache und des Sprechens zusammengefasst. Darunter versteht man Schwierigkeiten im aktiven Sprachgebrauch, im Sprachverständnis, bei der Artikulation von Sprachlauten sowie Störungen des Redeflusses.

Hinweise an die Eltern:
Fast alle Kinder stottern von Zeit zu Zeit. Bei den meisten geht dies wieder vorbei. Versuchen Sie das Stottern des Kindes nicht weiter zu beachten und zu kommentieren, sondern reden Sie mit ihrem Kind einfach weiter!

Welche Kommunikationsstörungen gibt es und wie zeigen sie sich?

Kommunikationsstörungen zeigen sich in spezifischen, umschriebenen Beeinträchtigungen der Sprache und des Redeflusses. In Leistungstests sind die nicht-sprachlichen intellektuellen Leistungen deutlich besser als die sprachlichen Leistungen. In der folgenden Tabelle sind Beispiele für spezifische Beeinträchtigungen der Sprache und des Sprachflusses aufgeführt.

Beeinträchtigter Bereich

Erläuterung

Aktiver Sprachgebrauch (expressive Sprachstörung)

z.B. geringer Sprechumfang, begrenzter Wortschatz, Schwierigkeiten beim Erlernen neuer Wörter, Wortfindungsprobleme, falscher Gebrauch von Wörtern, verkürzte Sätze, vereinfachte grammatische Strukturen, beschränktes Repertoire an grammatischen Strukturen (z.B. Verbformen), Auslassen wesentlicher Satzteile, ungewöhnliche Wortstellung.

Sprachverständnis (rezeptive Sprachstörung)

Von aussen oft nicht sofort erkennbar. Kind kann aber z.B. den Eindruck erwecken, nicht zu hören, verwirrt oder unaufmerksam zu sein. Befolgt Anweisungen nicht oder nicht korrekt, gibt oberflächliche oder unpassende Antworten, kann aussergewöhnlich still oder auch sehr gesprächig sein. Konversationsfertigkeiten oft ungenügend ausgeprägt. Verlangsamt bei der Verarbeitung von auditiven Reizen.

Artikulation
(phonologische Störung)

Sprechlaute können nicht korrekt gebildet werden (im Deutschen meist sch, ch, s, r), wobei die fehlerhafte Artikulation von Zischlauten (Lispeln) besonders häufig ist. Es können auch Fehler bei der Auswahl und Reihenfolge von Lauten vorkommen (z.B. Bulme statt Blume)

Redefluss
(Stottern)

- Klonisches Stottern: Hämmernde Wiederholungen von Lauten, Silben oder Wörtern (z.B. ?S-t-t-t-t-t-t-t-t-tottern?), engl. ?Stuttering?

- Tonisches Stottern: Verkrampfungen der Sprechmuskulatur und z.T. heftigen Pressversuchen vor dem Beginn oder Weiterreden, in der Absicht, unbedingt das begonnene Wort oder die nächste Silbe herauszubringen (z.B. ?----------Stottern?, oder ?S------------tottern?), engl. ?Speech block?

- Begleiterscheinungen des Stotterns (mit zunehmender Dauer der Störung automatisiert), um das Sprechen zu erleichtern bzw. um den Eindruck fliessenden Sprechens zu vermitteln: Mitbewegungen von Gesichts- und Halsmuskeln, der Extremitäten oder des ganzen Körpers, veränderte Atemtechnik, Verwendung von Flicklauten (?hmmmmmmmm?, ?also jedenfalls?)

Für alle Kommunikationsstörungen gilt, dass nur dann eine Störung diagnostiziert wird, wenn die Auffälligkeiten in der Sprache die schulischen bzw. beruflichen Leistungen oder die soziale Kommunikation behindern.

Wie entstehen Kommunikationsstörungen?

Wie können Kommunikationsstörungen behandelt werden?

Die Therapie der Sprachentwicklungsstörung beinhaltet die Vermittlung von Sprachfertigkeiten wie beispielsweise Sprachverständnis und -verständlichkeit, korrekte Grammatik in der Spontansprache und Artikulationsübungen. Es werden verhaltenstherapeutische, logopädische und sprachheilpädagogische Methoden eingesetzt.

Bei der Therapie des Stotterns werden je nach Symptomatik des Kindes verschiedene therapeutische Massnahmen ergriffen:

Wie häufig sind Kommunikationsstörungen und wie ist der Verlauf dieser Störungen?


Jungen sind 2-3mal häufiger von Sprachentwicklungsstörungen und Stottern betroffen als Mädchen.

Literaturhinweise

Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. (Hrsg.). (2001). Benni ? U-und? Wwwo ist das P-problem? Ein Comic für Kinder und Jugendliche (2. Auflage). Demosthenes-Institut.

Dutzmann, F. & Kofort, M. (Videofilm VHS; Länge ca. 25 Minuten). 2. Teil: Was ist Stottern? Das Ende eines Mythos. Online-Bestellung über Demosthenes-Verlag der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V.: www.bvss.de)

Dutzmann, F. & Kofort, M. (Videofilm VHS; Länge ca. 20 Minuten). 5. Teil: Was tun, wenn mein Kind stottert? Elternratgeber zum kindlichen Stottern. Online-Bestellung über Demosthenes-Verlag der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V.: www.bvss.de)

Fiedler, P. & Standop, R. (1994). Stottern: Ätiologie, Diagnose, Behandlung. Weinheim: Beltz.

Weinert, S. (in Druck). Umschriebene Entwicklungsstörungen der Sprache. In: P. F. Schlottke, R. K. Silbereisen, G. W. Lauth, & S. Schneider (Hrsg.). Klinische Psychologie, Band 5: Störungen im Kindes- und Jugendalter. (Enzyklopädie der Psychologie). Göttingen: Hogrefe.

Autorin

lic. phil. Barbara Schlup
Unter der Leitung von Prof. Silvia Schneider
Institut für Psychologie
Klinische Kinder- und Jugendpsychologie
Missionsstrasse 62a
CH- 4055 Basel
Telefon: +41 61 267 06 64
Fax: +41 61 267 06 59
E-Mail: Barbara.Schlup@unibas.ch

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Die letzte Aktualisierung dieses Dokuments erfolgte am  2. März 2010