Fütter- und Essstörungen
Inhalt
Was versteht man unter einer Fütterstörung?
Was ist normal?
Wie kann eine Fütterstörung erkannt werden?
Weitere Leitsymptome einer Fütterstörung
Was können Eltern tun?
Was tut ein Psychologe oder eine Psychologin?
Fakts und Zahlen
Literaturhinweise
Was versteht man unter einer Fütterstörung?
Fütterstörungen gehören wie Schlaf-, Gedeih- und Schreistörungen zu den frühkindlichen Regulationsstörungen. Die genannten Störungen treten oft gleichzeitig auf, so dass Kinder mit Fütterproblemen oft auch unter exzessivem Schreien und Schlafproblemen leiden. Kleinere Probleme beim Füttern kommen im Säuglingsalter häufig vor und sind als Entwicklungsschritt für viele Kinder normal. Eine über längere Zeit bestehende oder sehr starke Fütterstörung ist jedoch unbedingt ernst zu nehmen, da sie beim Kind schnell zu gesundheitlichen Folgen und bei den Eltern zu einer starken Belastung führen kann.
Was ist normal?
Alle gesunden Säuglinge nehmen in den ersten Monaten Flüssigkeit durch Stillen oder die Flasche ein. Zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat beginnen die Kinder feste Nahrung zu sich zu nehmen. Ab dem 9. Lebensmonat beginnen sie die Hände, später den Löffel zu verwenden.
Vorübergehende Probleme beim Füttern sind durchaus normal und als Anpassungsphase zu betrachten.
Wie kann eine Fütterstörung erkannt werden?
- Deutliche Gewichtsabnahme, Ausbleiben der erwarteten Gewichtszunahme oder andere eindeutige gesundheitliche Störungen
- Mindestens 1 Monat lang mangelhafte Nahrungsaufnahme
- Bei Beginn ist das Kind jünger als 6 Jahre
- Es liegt kein Nahrungsmangel und keine organische Erkrankung vor
Weitere Leitsymptome einer Fütterstörung:
- Nahrungsverweigerung
- Erbrechen, Kau-, Saug- und Schluckprobleme
- Von den Eltern als provokativ empfundenes Essverhalten
- Altersunangemessenes Essverhalten oder Fütterungskontext
- Extrem wählerische Lebensmittelauswahl
- Stillen: nur im Halbschlaf möglich, starke Unruhe und Ablenkbarkeit, Abstillprobleme
Hinweis: Jedes Kind, das nicht normal isst oder an Gewicht abnimmt, soll von einem Arzt untersucht werden. Es kann sein, dass das Kind unter einer organischen Erkrankung leidet und deshalb nicht richtig isst. Beispiele für Erkrankungen, die mit einer Fütterstörung einhergehen können, sind Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, Lebensmittelallergien, endokrinologische und neurologische Probleme.
Was können Eltern tun?
Kleinkinder schreien und weinen aus verschiedenen Gründen: sie haben Hunger, sind müde oder wünschen Aufmerksamkeit. Es gibt auch ganz unterschiedliche Gründe dafür, weshalb ein Kind Schwierigkeiten mit dem Füttern oder Schlafen hat.
- Reden Sie als Eltern mit anderen Eltern und versuchen sie zu verstehen, ob das Verhalten des Kindes als entwicklungsmässig normal zu betrachten ist.
- Verschiedene Bücher und Ratgeber können zudem Auskunft über die erwartungsgemäss normale kindliche Entwicklung geben.
- Ein Arztbesuch kann dazu dienen mögliche organische Ursachen auszuschliessen (ist z.B. die anatomische Entwicklung soweit fortgeschritten, dass das Kind normal essen kann?)
- Erfolgreiches Füttern setzt zudem voraus, dass Kind und Elternteil beim Füttern bequem positioniert sind.
- Auch eine angemessene Eltern-Kind-Interaktion beim Füttern ist von grosser Bedeutung (keine Hektik, Blickkontakt, ruhiges, einfühlsames Sprechen).
- Ebenfalls wichtig ist ein geregelter Tagesablauf mit regelmässigen Mahlzeiten. Kinder, die selbst wenig Verhaltenskontrolle haben, brauchen eine erhöhte Regelmässigkeit im Tagesablauf. Strikte Zeiten fürs Füttern, strikte Schlaf- und Spielzeiten sind für Kinder sehr wichtig.
- Weitere hilfreiche Strategien sind zudem: Möglichst viel Geduld und kein Druck, wenn ein Kind einmal nicht essen mag. Ebenfalls viel Lob jedes Mal, wenn das Kind gut isst.
Hinweis: Sind Eltern belastet oder hat ein Kind seit mindestens einem Monat kaum zugenommen oder Gewicht verloren, ist es wichtig und hilfreich rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine andauernde Fütterstörung ist eine ernst zu nehmende Störung des Säuglings- und Kleinkindalters.
Was tut ein Psychologe oder eine Psychologin?
Nach ärztlicher Abklärung erfolgt eine ausführliche Diagnostik, bei der unter anderem die Familiensituation und das Fütterverhalten anhand von Tagebüchern erfasst werden.
Kognitive Verhaltenstherapie:
Kind und Eltern werden darin unterstützt, dass das Kind zunehmend lernen kann, sich angemessen zu ernähren. Folgende Punkte sind wichtige Bestandteile in der Behandlung von Regulationsstörungen:
- Information über die normale Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern
- Verhaltensmanagement der Eltern
- Einführung regelmässiger Alltagsstrukturen
- Ernährungsberatung
- Konfrontation mit schwierigen Situationen
- Belohnungsstrategien
Fakts und Zahlen
- Vorübergehende Fütterschwierigkeiten sind im Säuglings- und Kleinkindalter relativ häufig (bis zu 33%). Die Häufigkeiten von behandlungsbedürftigen Fütterstörungen variieren zwischen 2-5%.
- Die Störung tritt bei Jungen und Mädchen gleich häufig auf.
- Fütterstörungen treten sehr häufig gemeinsam mit exzessivem Schreien, Schlafproblemen und Gedeihstörungen auf.
- Unbehandelt führen Fütterstörungen zu gesundheitlichen Problemen beim Kind und problematischen Eltern-Kind-Interaktionen.
Literaturhinweise
Largo, R. L. (2004). Babyjahre. Zürich: Piper-Verlag.Papousek, M., Schieche, M. & Wurmser, H. (2004). Regulationsstörungen der frühen Kindheit. Bern: Huber.
Kutik, C. (2000). Entscheidende Kinderjahre. Ein Handbuch zur Erziehung von Null bis Sieben. Verlag Freies Geistesleben.
Kast-Zahn, A. & Morgenroth, H. (1999). Jedes Kind kann richtig essen lernen. Oberstebrink-Verlag.
Autorin
Lic. phil. Andrea Suppiger
Unter der Leitung von Prof. Silvia Schneider
Klinische Kinder- und Jugendpsychologie
Missionsstrasse 60/62
4055 Basel
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Die letzte Aktualisierung dieses Dokuments erfolgte am 18. Februar 2008

